COVID-19 führt zu Lehrlings-Bewerbermangel

COVID-19 führt zu Lehrlings-Bewerbermangel

Aufgrund der Ergebnisse einer hochaktuellen Studie zu den Auswirkungen von COVID-19 auf den Lehrlingsmarkt, richtete sich zukunft.lehre.österreich. am Montag, 08.02.2021 mit einem dringenden Appell an die österreichische Bundesregierung.

Erst vor wenigen Wochen berichteten uns einige Unternehmen von Problemen beim Finden geeigneter Lehrlinge. Seit Beginn der Corona-Pandemie spüren viele einen quantitativen und qualitativen Rückgang der Bewerber für Lehrstellen. Wir, als zukunft.lehre.österreich., wollten diesen bedenklichen Entwicklungen nicht bloß zusehen, sondern dementsprechend handeln. Aus diesem Grund gab z.l.ö. gemeinsam mit der Industriellenvereinigung unverzüglich eine Studie zur aktuellen Lage am Lehrlingsbewerbungsmarkt beim renommierten Marktforschungsinstitut market in Auftrag. Soeben wurden die hochaktuellen Umfrageergebnisse und die daraus von z.l.ö. abgeleiteten Forderungen im Zuge einer Pressekonferenz verkündet.

 

Das hochkarätige Podium

  • Werner Steinecker, Präsident z.l.ö., Generaldirektor Energie AG
  • DI Stefan Pierer, Vorstandsvorsitzender KTM AG (online zugeschaltet)
  • Gerhard Zummer, Leiter Lehrlingsausbildung Siemens Österreich
  • David Pfarrhofer, Institutsvorstand market
  • Tatjana Gertner-Schaschl, Vorsitzende Task Force Fachkräfte und Lehre Industriellenvereinigung Österreich, Aufsichtsratsvorsitzende Treibacher AG

 

Die Umfrageergebnisse

Die repräsentative Studie, in der Betriebe, Schüler, Eltern und Lehrer befragt wurden, liefert spannende Hintergründe zu den geringen Bewerberzahlen. Darin werden die Bedenken, dass die COVID-19-Krise zu einem Lehrlings-Bewerbermangel geführt hat, bestätigt. Während historisch hoher Arbeitslosenzahlen finden heimische Unternehmen nicht genügend Lehrlinge.

Laut Marktforscher Dr. Pfarrhofer herrscht unter Schülern, Eltern und Lehrern die Annahme, dass es zurzeit keine guten Chancen gäbe, sich erfolgreich für eine Lehrstelle zu bewerben. Das Gegenteil ist aber der Fall, denn es stehen kurz- und mittelfristig über 18.000 Lehrstellen frei und Österreichs Betriebe wollen sogar wieder mehr Lehrlinge als im Jahr 2020 einstellen.

Die von z.l.ö. präsentierte Studie hat zudem ergeben, dass die coronabedingten Aufstiegsregelungen in den Schulen zum Bewerbermangel für Lehrstellen geführt hat. Über 50 Prozent der befragten Unternehmen geben die spürbar sinkende Zahl an Umstiegen aus höheren Schulen in eine Lehre als Grund für die niedrigen Bewerberzahlen an. Der unhinterfragte schulische Aufstieg bremst derzeit tatsächlich für über ein Drittel der Schüler die Ambitionen zum Start einer Lehre aus.

Die Betriebe leiden außerdem unter den deutlich weniger Kontakten mit den Schulen und den daraus resultierenden fehlenden Vorstellungsmöglichkeiten des Lehrberufs bzw. des eigenen Betriebs. Es besteht seitens aller Befragter ein großer Wunsch nach Schnuppermöglichkeiten und dem praktischen Erfahren der Lehrberufe, weil dies nicht nur der beste Weg ist, sich als Unternehmen potenziellen Lehrlingen vorzustellen, sondern auch essenziell für die Berufswahl ist.

Die Mehrheit der in der Studie befragten Lehrkräfte, Schüler und Eltern gibt an, dass Berufsorientierung im Heimunterricht nicht den Stellenwert genießt, der ihr gebührt. Auch 50 Prozent der Unternehmen attestieren, dass der Berufsvorbereitung nicht genügend Raum gegeben wird. Zudem sagen fast 60 Prozent der befragten Unternehmen, dass Berufsorientierung von der Politik derzeit nicht ernst genug genommen wird.

Die Studienergebnisse im Detail finden Sie hier: http://bit.ly/3sn1MNr 

 

Unsere Erwartung an die Politik

Aufgrund der Umfrageergebnisse fordert zukunft.lehre.österreich. die österreichische Bundesregierung auf, folgende Maßnahmen dringend umzusetzen:

  • Bildungsminister Faßmann hat alles Notwendige zu unternehmen, dass Berufsorientierung trotz distance learning höchste Priorität im Unterricht in den (Mittelschulen und Polytechnischen) Schulen bekommt, um einen Kollaps am Lehrstellenmarkt durch ausbleibende Bewerbungen zu vermeiden.
  • Aufstiegsklauseln für negative Schulabschlüsse wie im COVID-19-Jahr ziehen fatale Folgen für den Lehrlingsmarkt nach sich. Auch hier wird Bundesminister Faßmann ersucht, dafür zu sorgen, dass sich diese Situation nicht noch einmal wiederholt. In dieser Situation gibt es auf allen Seiten nur Verlierer – Schüler, Schulen, Eltern, Lehrer und Betriebe.
  • Die österreichischen Betriebe suchen händeringend nach Lehrlingen. Die Bundesregierung ist gefordert, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um auf das Lehrstellen-Überangebot hinzuweisen und das Image der Lehre aufzuwerten.

Die Studie zeigt, wie wichtig Lehrlinge in der österreichischen Wirtschaft sind. z.l.ö.-Präsident DDr. Steinecker betont, dass 80 Prozent aller Befragten Potential bei der Imageaufwertung der Lehre sehen. Diese Kernforderung von zukunft.lehre.österreich. braucht die Politik als Mitstreiter! Der Appell richtet sich nun klar an ein Handeln der Bundesregierung.

Hier geht es zur Presseaussendung: http://bit.ly/37ylCgw 

 

Erste Pressemitteilungen

Wir sind überwältigt vom enormen Medienecho hinsichtlich der Ergebnisse der Studie sowie unserer Forderungen. Hierzu möchten wir Sie gerne auf folgende Pressemitteilungen hinweisen:

 

Im Bild v.l.n.r.: Gerhard Zummer (Leiter Lehrlingsausbildung Siemens Österreich), Dr. David Pfarrhofer (Institutsvorstand market), DDr. Werner Steinecker (Präsident z.l.ö., Generaldirektor Energie AG), Dr. Tatjana Gertner-Schaschl (Vorsitzende Task Force Fachkräfte und Lehre Industriellenvereinigung Österreich, Aufsichtsratsvorsitzende Treibacher AG)

Michaela Stadlmayr | 08.02.2021

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